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Die Sehnsucht führt zur Suche

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Vor einigen Jahren wurde mir bewusst, dass sich die weibliche und männliche Urkraft versteckt hinter Alltagsmustern, Vorstellungen, Kultur und Mythen. Ich spürte eine Sehnsucht in mir, mich mit meiner weiblichen und männlichen Urkraft zu verbinden, sie im Alltag zu spüren, zu leben, zu sein und dies losgelöst von allen Vorstellungen. Ich stellte mir die Frage, wie ich das schaffen kann. Ich suchte singend, tanzend, reisend in der Erde, im Wasser, im Feuer, in der Luft und fand sie. Auch heute suche und finde ich sie immer wieder aufs Neue für mich selber und gemeinsam mit anderen Menschen.

Das Feuer für die weibliche und männliche Urkraft

Ein stetiger und kraftvoller Begleiter auf diesem Weg ist der Chalofen, ein mystischer, wohlbehüteter Ort im Wald. Die Buchenbäume stehen hier im Kreis, berühren sich hoch Oben mit ihren Aesten und bilden eine Kuppel. Da ist der Waldboden unter unseren Füssen, durchzogen mit Baumwurzeln.  Es hat Blätter auf der dunkelbraunen Erde, der Bach plätschert und singt sein Lied, die Sterne und der Mond schimmern durch die Bäume, ein leiser Windhauch streichelt unsere Wangen, weiter weg bilden die Bäume ein Tor hinaus auf die Wiese. In der Mitte des Kreises tanzt ein Feuer, und ums Feuer herum tanzen, singen und trommeln wir, und alle Geister und Wesen, die wir mitgebracht haben. Mit mir mit dabei sind der Geist von Ilmis, der Waldfrau, Zouhelia, der Afrikanerin, Kora, dem Träumer, einer Wölfin, einer Löwin, eines Milans und die Seele meiner verstorbenen Grossmutter. Erde, Wasser, Feuer, Luft und das wunderbare Geheimnis ist im Aussen und zugleich in uns.

Wir haben Alltagsmuster, Erziehung und Kultur weggesungen, weggetrommelt, weggetanzt und sind im Augenblick. Wir reisen ins Feuer mit der Bitte, dass sich ein unangenehmes Verhaltensmuster in eine für uns hilfreiche Kraft verwandelt. Wir geben uns dem Feuer hin mit all unserer Liebe und im Vertrauen, dass es genau das sucht und findet, was jetzt gerade wichtig ist. Das Feuer zeigt Bilder und erzählt Geschichten. Wir selber werden zu Feuer, reisen in andere Sphären, ins Erdinnere, sehen Tiere und Wesen, die zu uns sprechen und entdecken wohlwollende Antworten. Genährt und gestärkt durch die Wandlungskraft des Feuers bitten wir nun um Zugang zu unserer ureigenen weiblichen und männlichen Kraft. Aus dem Feuer springt sie uns an, taucht in uns ein oder wir in sie? Eine Trommel fängt an zu schlagen, sie ruft und fordert auf mit Tanz und Gesang unserem jetzigen Zustand Ausdruck zu geben. Der Kreis kommt in Bewegung, ureigen, wild, fliessend. Aus der Vogelperspektive sehen wir aus wie ein lebendiges Mandala, welches sich im Herzschlag der Trommel und Rassel bewegt. Der Höhepunkt ist vorbei, der Rhythmus und Tanz wird langsamer und letztendlich still. Der Puls und der Atem beruhigen sich, wir geniessen die Stille, die rotorangene Glut des Feuers, beobachten, wie noch einzelne blaue und gelbe Flammen empor tanzen und wieder in der Glut versinken. Im Aussen wird uns gezeigt, was sich auch in uns abspielt, ein pulsierender Tanz der Elemente und der Seele. Eine Schönheit, Freude und Lebenslust die selbstverständlich ist.

 

Wir tauschen unsere Erfahrungen aus und jede von den anderen erzählte Geschichte bereichert die eigene, und wächst mit allen Geschichten zu einer einzigen zusammen. Das Erlebte ist Geschenk für das  Feuer, für uns selber, für die Gruppe und die ganze Welt.  

 

Lydia Graf, Januar 2010

www.feuwaerlu.ch