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Lydia beim Bear Butte, Juli 2011

Treffpunkt am Bear Butte – ein heiliger Berg

Einer meiner Träume ist wahr geworden. Die Indianer sagten mir, dass es Bestimmung war.

Entstanden ist dieser Traum schon in meiner Kindheit, ich spielte draussen „Indianerlis“, war immer ein Indianer-Junge namens Little-Joe und überlebte den Kugelhagel, weil ich behauptete mit meinem Pfeil und Bogen immer schneller gewesen zu sein als die Cowboys.  Der Wunsch die Indianer Nordamerikas zu besuchen wurde im Dezember 2010 konkreter. Ich wollte unter anderem das Land und die Ureinwohner singen hören und an Heilzeremonien teilnehmen können. Ein grosser Wunsch war auch, KILI Radio Station in Süd Dakota zu besuchen und dort für alle Indianer ein Dankes-Lied zu singen. Aus diesen Gründen forschte ich viel im Internet. Auf einer schamanischen Trommelreise zu meinen Geistern änderte sich meine Vorstellung und ich sah, dass ich mit Trommel und Gitarre singend unterwegs sein würde.  Wahrscheinlich war ich entmutigt, weil ich viel Trauriges über das heutige Leben der Indianer gelesen hatte.

Auf der nun kürzlich realisierten Reise wurde ich von meiner Mutter und meiner Schwester begleitet. Dank eines Hinweises einer Freundin, waren wir am  Bear Butte, ein heiliger Berg der Indianer, nördlich der Black Hills.  Wir kamen an, als es dämmerte und waren freudig überrascht. Da waren ein Tipi, einige Zelte und viele Autos. Ein Feuer brannte, Indianer sassen ums Feuer, andere waren unter einem grossen Dach am Essen. Ich fragte einen jungen Mann, ob wir hier übernachten können. Er ging zu einer Frau, welche mich anschaute und dann bejahend nickte. Zuerst war ich ein bisschen schüchtern, doch meine Mutter und Schwester motivierten mich, dass ich die Gitarre und die Trommel mit zum Feuer nahm.

 

Sänger am Lagerfeuer

Die Trommel erweckte bei den jungen Männern Interesse. Ich fragte sie, ob sie mir etwas vorsingen würden, woraufhin sie mich baten zuerst ein Lied zu singen. So sang ich Bondo, eines meiner Lieder für die Erde. Bald sangen wir abwechslungsweise unsere Lieder vor. Meine Schwester wünschte sich den Gesang Licht von mir. Ich erzählte dem Kreis, dass ich nun das Licht singen werde, es seien Töne wie die Kerzenflamme, das Licht des Feuers, der Sterne und der Liebe. Während dem ich sang, hörte ich jemand laut weinen. Nachdem wir gegenseitig weiter Lieder gesungen hatten, kam die Frau, welche nickend unser Bleiben erlaubt hatte zu mir, umarmte mich und bedankte sich bei mir für den Lichtgesang. Ihr Mann habe vor seinem Tod immer vom Licht erzählt. Es sei Bestimmung, dass wir hierhergefunden haben, und sie lud uns ein, an den Zeremonien teilzunehmen, welche am darauffolgenden Tag stattfanden.

 

Chief Harry und Freunde am frühen Morgen

Am Morgen stand ich früh auf. Einige sassen bereits ums Feuer, unter ihnen auch der Chief Garry, welcher die Zeremonien leitete. Dann führte mich ein Indianer ins Tipi und erklärte mir, dass sie zum Gedenken eines heiligen Chiefs namens Tatanka Chante, auch Buffalo Heart oder Gary Silk genannt, 4 Tage betend marschieren und eine Abschiedszeremonie machen werden.

Er liess mich allein im Tipi. Es war ein Altar aufgebaut mit Fotos des Verstorbenen, eine Pfeife, Stäbe, Mokkasins, Decken, Sattel, Büffelschädel, Salbei und Schild. Der Mann auf dem Foto kam mir irgendwie bekannt vor.  Dann schloss ich meine Augen und fragte mich, warum ich hier bin? Ich glaube, es war die Seele von Tatanka Chante, welche mir sagte, ich hätte dies so gewollt. Irgendwann wurde mir klar, dass die Frau, welche mich umarmt hatte die Witwe war, später erfuhr ich ihren Namen Jolene Silk.

Freunde von Gary Silk, Tatanka Chante, Buffalo Heart


 

Meine Schwester und meine Mutter blieben am Bear Butte. Ich ging mit auf den heiligen Marsch für Tatanka Chante. Der Chief reinigte uns vorher mit Salbei und wünschte uns einen guten, visionsreichen Weg. Vorab gingen vier Männer mit persönlichen Gegenständen des Verstorbenen, hinterher Frauen und Mädchen in langen Röcken, die Männer und Knaben mit nacktem Oberkörper. Immer wieder hielten die Vordersten an, sangen Lieder und warteten, bis alle wieder beisammen waren. Sie baten auch mich mit der Trommel ein Lied zu singen. Ich fühlte mich gut mitten in diesen Menschen, in Gesprächen fand ich heraus, dass viele eine weite Reise hinter sich hatten, um hier zu sein. Einige hatten kein Zelt und schliefen sitzend in ihren Autos. Sie kamen aus Equador, New York, Kanada, Kalifornien, Süd- und Nord-Dakota, Utah und Frankreich.

 

 

Im Tipi, Altar für Gary Silk, Tatanka Chante, Buffalo Heart

Wieder zurück beim Bear Butte fielen mir während den darauffolgenden Zeremonien und Tänzen wie Schuppen von den Augen. Das gleiche Foto von Tatanka Chante, welches im Tipi auf dem Altar stand, hatte ich bereits zuhause im Internet bei meinen Nachforschungen gesehen. Mystisch.... Bestimmung. Eines ist für mich klar, einer meiner  Träume hat sich erfüllt und ist zu einem reellen Treffpunkt geworden!

Zum Schluss frage ich mich jetzt, wann wohl der nächste Treffpunkt Realität wird.  Vielleicht ist es dieser gemeinsame Traum, welchen ich mit vielen, vielen Menschen auf der ganzen Welt träume:

Wir sind Schwestern und Brüder und mit allem verbunden. Wir lieben die Mutter Erde und schauen achtsam und sorgsam zu ihr. Möge Heilung geschehen.

Lydia Graf, 8. August 2011


 

 

Wounded Knee, Anita, Schmuckverkäufer, Lydia, Juli 2011

Die Rede vom Chief Seattle an den Präsidenten der Vereinigten Staaten

Noch heute aktuell

Der Chief Seattle lebte im Nordwesten Amerikas, ein geachteter Führer der Indianervölker. Die Rede von 1857 ist gefälscht und ist trotzdem voller Wahrheit. Von einem texanischen Literaturprofessor Anfang der siebziger Jahre verfasst, berühren die schönen Gedanken in Seattles Reden bis heute die Herzen der Menschen:

Der grosse Häuptling in Washington sendet Nachricht dass er unser Land zu kaufen wünscht. Wir werden sein Angebot bedenken, denn wir wissen wenn wir nicht verkaufen, kommt der weisse Mann mit Gewehren, und nimmt sich unser Land. Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen, oder die Wärme der Erde, diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen, wie könnt ihr sie von uns kaufen? Meine Worte sind wie die Sterne, sie gehen nicht unter. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig. Jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. Glänzendes Wasser, dass sich in Bächen und Flüssen bewegt ist nicht nur Wasser, sondern das Blut unserer Vorfahren. Wenn wir Euch das Land verkaufen, müsst ihr wissen, dass es heilig ist und Eure Kinder lehren, dass es heilig ist. Und dass jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von den Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt. Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter. Die Flüsse sind unsere Brüder, sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder. Ich bin ein Wilder und verstehe es nicht anders. Ich habe tausende verrottende Büffel gesehen, vom weissen Mann zurückgelassen, erschossen aus einem vorüberfahrenden Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am Leben zu bleiben. Was ist der Mensch ohne die Tiere. Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an grosser Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht, geschieht auch bald dem Mensch. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Wenn die Büffel alle geschlachtet sind, die wilden Pferde gezähmt, die heimlichen Winkel des Waldes schwer vom Geruch vieler Menschen und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden Drähten, wo ist das Dickicht, wo der Adler? Fort. Und was bedeutet es Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd? Das Ende des Lebens und dem Beginn des Überlebens. Gott gab Euch Herrschaft über die Tiere, die Wälder und den roten Mann, aus einem besonderen Grund, doch dieser Grund ist uns ein Rätsel. Vielleicht könnten wir es verstehen, wenn wir wüssten wovon der weisse Mann träumt, welche Hoffnungen er seinen Kindern an langen Winterabenden schildert und welche Visionen er in ihre Vorstellungen brennt, sodass sie sich nach einem Morgen sehnen. Aber wir sind Wilde, die Träume des weissen Mannes sind uns verborgen. Und weil sie uns verborgen sind, werden wir unsere eigenen Wege gehen, denn vor allem schätzen wir das Recht eines jeden Menschen, so zu leben wie er es selber wünscht. Gleich wie verschieden von seinen Brüdern er ist. Wenn der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist, und sein Gedächtnis nur noch der Schatten über einer Wolke in der Prärie, wird immer noch der Geist meiner Väter in diesen Ufern und diesen Wäldern lebendig sein. Denn sie liebten diese Erde, wie das Neugeborene den Herzschlag seiner Mutter. Wenn wir Euch unser Land verkaufen, liebt es. Behaltet die Erinnerung an das Land so wie es ist, wenn ihr es nehmt. Und mit all Eurer Stärke, Eurem Geist, eurem Herzen, erhaltet es für Eure Kinder und liebt es so wie Gott uns alle liebt. Denn eines wissen wir, unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist ihm heilig. Selbst der weisse Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch Brüder. Wir werden sehen.